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Marion Geiger, 32
wohnt seit 4 Jahren in New York. Sie arbeitet bei einer
internationalen Spedition. |
Marion Geiger war
letzten Dienstag schon in Ihrem Büro in Long Island, 20 km vom World
Trade Center entfernt:
Ich kam gegen 8:50 in mein Büro, da rief mich schon mein Chef in sein
Büro und sagte zu mir, das World Trade Center würde brennen. Auf einem
kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher schauten wir alle im Büro neben der
Arbeit den einen Turm brennen. Wir wussten da noch nicht, dass es sich
um einen Airliner handelte und wir dachten es sei ein Unfall. Doch dann
krachte der zweite Flieger hinein und jemand im Büro schrie "Das ist ein
Terroristenangriff". Wir konnten es alle nicht fassen. Als der erste
Turm dann einstürzte konnte ich nur noch in deutsch Der Turm stürzt
ein, der Turm stürzt ein rufen, und merkte garnicht mehr, daß das
meine Kollegen nicht verstehen.
Mein Chef gab uns allen frei - wir sollten nach Hause gehen. Doch meine
Wohnung ist in Manhattan und das war hermetisch abgeriegelt.
Nach einer Nacht bei Freunden in Long Island, kam ich erst am Mittwoch
Abend nach Manhattan zurück. Als ich die Stadt Dienstag früh noch
verlassen hatte, war die Welt noch in Ordnung. Hektisch liefen die Leute
zu Ihren Zügen in der Pennsylvania Station und auch ich hastete zum Zug.
Doch von dieser Hektik war Mittwoch Abend nichts mehr zu sehen. Der
Bahnhof war menschenleer und draussen auf der Straße herrschte diese
gespenstische Ruhe, nur Militär- und Rettungsfahrzeuge fuhren herum.
Erst jetzt begann ich zu begreifen, was passiert war. Ich war ja 2 Tage
weg aus der Stadt, die ich nicht mehr wiedererkannte. Ich fuhr dann
weiter in meine Wohnung in Midtown. Als ich nach Hause
kam, erfuhr ich von einer Freundin, daß mein Exfreund als vermisst gilt.
Er befand sich auf einem wichtigen Business-Meeting im 92. Stock des
zweiten Turms. Ich war geschockt. Bisher war diese Katastrophe unfassbar
und anonym: Zwei brennende Türme, die dann einstürzten. Doch jetzt hatte
dieses furchtbare Katastrophe plötzlich ein Gesicht. Ein Gesicht, das am
Fenster stand und rausschaute. Mein Exfreund soll noch seine jetzige
Freundin angerufen haben, und ihr gesagt haben, daß mit ihm alles in
Ordnung sei - bis das zweite Flugzeug einschlug. Sein Stockwerk wurde
direkt getroffen.
Der Rauch zog am Donnerstag morgen bis nach Long Island. Es roch
undefinier-bar, ähnlich verbranntem Plastik. Mein Chef sagte mir er
kenne diesen Geruch. Er hätte ihn bisher nur einmal in seinem Leben
gerochen, als er vor 15 Jahren in Indien war, in der Nähe eines
Krematoriums. Er sagte: "Marion, das ist kein normaler Geruch, der bei
einem Feuer ensteht.
So riecht es, wenn menschliche Körper verbrannt werden, die vorher mit
Benzin überschüttet sind."
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