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Der
Financial District an einem Sonntag, um 14 Uhr. Normalerweise ist diese
Gegend am Wochenende ausgestorben.
Leere Gassen, geschlossene Geschäfte. Doch seitdem die Behörden die
Straßensperren um das World Trade Center für Fußgänger wieder geöffnet
haben, ist der Süden Manhattans zur Top Touristenattraktion geworden.
Von den sonst sehr beliebten Zielen der New Yorker Besucher gibt es derzeit
keine große Auswahl: Die Aussichtsplattform auf dem Empire State Building
ist bis auf weiteres gesperrt. Alle zieht es nach Downtown Manhattan.
Über den Broadway kommt man ganz nah an die Ruine des World Trade Centers
heran. Nur einen Häuserblock entfernt, stehen hohe Absperrungen - die ganze
Gegend wird von der Nationalgarde bewacht. Der Park vor dem Rathaus ist
gesperrt und vor dem Zaun stehen Jeeps der Militärpolizei.
"Downtown Manhattan erinnert mich an den Film The Siege mit Bruce
Willis" hört man einen Touristen seiner Freundin sagen, die wiederum mit
ihrer Videokamera ganz nah heranzoomt, an das, was einmal das WTC war.
Vom Südturm steht noch die Fassade, davor etwa ein 10 Meter hoher Berg von
Schutt und Stahlträgern, der immer noch leicht raucht. Das Atmen hier unten
im Ground Zero fällt immer noch schwer, aber man riecht nichts mehr.
Der Zaun ist etwa 50 Meter vom Südturm entfernt. Hier gibt es ein
regelrechtes Gedrängel. Leute posieren für ein Foto vor der Ruine. Es werden
T-Shirts und Postkaren mit den Motiven der Türme verkauft: "Before and
After" steht drauf. "Von irgenwas muß ich ja leben", sagt der farbige
Verkäufer, dessen Gesicht als einziges auf diesem Platz strahlt. Die
Geschäfte laufen gut. Bürgermeister Giuliani hat das Fotografieren der Ruine
nun strengstens verboten. Wer erwischt wird, muß seinen Film aus der Kamera
bei den Posten abgeben.
Hier unten herrscht strenge Ausweispflicht. Die Polizisten und Soldaten der
Nationalgarde kontrollieren jeden Anwohner. Wer in der unmittelbaren Nähe
des World Trade Centers wohnt oder arbeitet, muß das nachweisen können. Alle
anderen werden gebeten, das Gebiet zu verlassen. Manche Posten stehen 12
Stunden am Tag dort und dennoch bleiben sie alle stets freundlich. Das ist
oberstes Gebot von Bürgermeister Giuliani. Die Präsenz des Militärs soll
keine Endzeitstimmung aufkommen lassen.
Die New Yorker respektieren das, die Touristen auch.
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