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New York (ml)
- Mit einem Lastwagen fuhren wir auch heute wieder in das Gebiet "Ground
Zero", um Trinkwasser und Lebensmittel an die Rettungsmannschaften zu
verteilen. Dabei liessen uns die Wachen bis direkt an die Stelle heran an
der einmal das World Trade Center stand. Von den stolzen Türmen sind nur
noch Trümmerhaufen übrig. Auf einem Gebiet der Größe von 10 x 10
Häuserblöcken liegen Millionen von Tonnen Schutt und Asche. Das entspricht
dem Jahresvolumen des erzeugten Mülls der gesamten USA.
Der Anblick ist erschreckend. Nur noch die Fassade streckt sich etwa 10
Stockwerke in die Höhe. Die umliegenden Gebäude sind zum Teil schwer
beschädigt und drohen einzustürzen. Die Rettungsmannschaften suchen rund um
die Uhr nach Verschütteten. Gestern Nachmittag konnten sie fünf
Feuerwehrleute lebend bergen. Sie waren in Ihrem Auto vom Einsturz
überrascht und verschüttet worden und warteten seit Dienstag früh in ihrem
Auto auf die Rettung. Allerdings werden immer noch knapp 5000 Menschen in
New York vermisst, die alle unter den Trümmern vermutet werden.
Da sich gestern der Wind drehte, blies die Rauch- und Staubwolke bis in den
Norden Manhattans. Es roch nach verbranntem Plastik und feuchtem Beton.
Viele Menschen auf der Strasse laufen mit Staub- und Gasmasken herum. Dies
wirkt vorallem in der fast menschenleeren Sperrzone südlich der 14. Strasse
gespenstisch. Heute soll die Zone nach Süden zur Canal Street verlegt
werden. Die Ausweiskontrollen an der 14. Strasse gehören dann für immer der
Vergangenheit an.
Bürgermeister Giuliani rief zur Rückkehr in die Normalität auf und bat die
New Yorker zu versuchen, wieder ihrer Arbeit nachzugehen. Ferner riet er den
Bürgern, Ihre Fernseh- und Radiogeräte auszuschalten und in den Central Park
zu gehen und einmal abzuschalten, fernab vom "Ground Zero" und fernab von
jeder Berichterstattung. Im Central Park traf man wie immer auf Jogger und
Inline-Skater und verliebte Pärchen, die händchenhaltend über die Wiese
liefen. Wenigstens hier ist die Welt noch in Ordnung und New York noch so,
wie es früher einmal war.
Weitere Berichte:
Die Menschen gehen auf die Straße
Das Ende des World Trade Centers
Der Zweite Tag
"Es regnet Menschen"
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