"Soviel menschliches Leid kann man gar nicht verarbeiten"
 Wen H. Chang und sein Sohn Boyong Chang, 17 Monate
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Wie jeden Tag stieg Wen an diesem Dienstag Morgen im September um 8:55 aus der U-Bahn unter dem World Trade Center aus. Als ich mit der Rolltreppe nach oben kam, evakuierte die Polizei bereits die gesamte Gegend. Die Polizisten schrien herum, einer von ihnen schon fast mit einem panischen Klang. Ich ging nach draussen und stellte mich zu einer Menschenmenge, die sich vor dem Postamt gegenüber des World Trade Centers versammelt hatte. Ich blickte nach oben und war ziemlich entsetzt über das Ausmaß des Feuers im Nordturm.
Das Feuer brannte etwa vom 90. Stockwerk an nach oben – über meinem Büro im 72. Stock. Da das Feuer nach oben brannte und der Rauch nach oben stieg, dachte ich mir, daß es der Feuerwehr vielleicht gelingen würde, das Feuer löschen, bevor es zum Dach durchgedrungen ist. Ich dachte mir noch, die Chancen stünden gut, daß ich mir, nachdem alles gelöscht wurde, mir meine Unterlagen aus dem Büro im 72. Stock herausholen könnte.
Dutzende Menschen fallen wie Säcke aus den Fenstern Aber das Feuer wurde immer größer und die Rauchschwaden immer dicker. Der Rauch mußte zu diesem Zeitpunkt wohl schon in allen Stockwerken über dem Feuer sein. Es war wohl noch sehr viel Kerosin vorhanden, welches noch verbrennen würde. Ich bemerkte, daß etwa auf der Höhe des 105. Stocks, Leute mit weissen Tüchern aus dem Fenster of winkten – um sich aufmerksam zu machen. Plötzlich wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben Augenzeuge, wie aus der Höhe des 100. Stocks jemand aus dem Fenster sprang. Ein paar Sekunden später folgten zwei mehr. Die Menschen um mich herum fingen an zu schreien, viele Frauen wandten ich ab und weinten bitterlich. Und es sprangen noch mehr Menschen aus dem Gebäude, von der Ost- und der Nordseite. Diese fliegenden Körper konnte man so deutlich erkennen und die Zeit, wie lange sie in der Luft waren, erschien zu lang für uns, zu begreifen, was wir da gerade vor unseren Augen hatten. Im tiefsten meines Herzens fühlte es sich an, als hätte man mit einer Rasierklinge reingeschnitten und ich begann zu weinen. Diese Leute müssen keine andere Wahl gehabt haben. Sie standen vor der Entscheidung entweder zu verbrennen, zu ersticken oder sich mit einem Sprung aus dem Fenster in die Unwahrscheinlichkeit zu stürzen, das Auftreffen auf dem Boden zu überleben. „Sie bräuchten nur so etwas wie feste Schaumstoffmatten auf dem Platz vor dem World Trade Center“, dachte ich mir. Durch den vielen Rauch, der nach oben wich haben sie vielleicht nicht gesehen, ob am Boden etwas für sie aufgebaut wurde, was den Fall abbremsen könnte. Aber vielleicht dachten sie mit dem Sprung wenigstens einen Funken Hoffnung auf’s Überleben zu haben.
Unfaßbar: Ein weiteres Flugzeug stürzt in den zweiten Turm Plötzlich sah ich ein Flugzeug, wie aus den Nichts erscheinen, in den Südturm stürzen. Das ging alles so schnell, daß die Menge nicht einmal Zeit hatte, darauf zu reagieren. Keiner sagte etwas, keiner schrie. Durch den Aufschlag bedingt, sah ich grosse Massen von Schutt und Gebäudeteilen nach unten, direkt in meine Richtung, fallen. Alle um mich herum warfen sich sofort auf den Boden und versuchten sich mit Ihren Händen vor den herabfallenden Teilen zu schützen. Wir lagen da alle aufeinander. Ich konnte den Aufschlag mehrerer Trümmer in meiner unmittelbaren Nähe spüren. Vermutlich wurde auch die Frau, die über mir lag getroffen. Als es vorbei war, standen alle auf, hoben schnell Ihre Brillen und Handtaschen auf und liefen in Panik davon. Für ein paar Sekunden rannten wir alle wie die Pferde davon.
Trümmer liegen brennend auf der Straße Die Panik dauerte aber nur etwa 20 Sekunden an, bis wir alle feststellten, daß es wohl keine unmittelbare Gefahr mehr für uns gab.Die meisten drehten sich um und versammelten sich erneut, um dem Feuerspiel in den nun beiden Türmen zuzuschauen. In den nächsten 6-7 Minuten habe ich mindestens 15 weitere Menschen gesehen, die aus dem Nordturm aus der Höhe von etwa dem 100. Stock gefallen sind. In diesem Moment wurde mir speiübel und ich beschloß, die unmittelbare Nähe des World Trade Centers zu verlassen, um diese menschlichen Tragödien nicht weiter ansehen zu müssen. Ich drehte mich um und lief nordwärts. Etwa einen Block weiter sah ich zu meiner Verwunderung, zerbrochenes Glas, brennende Reifen und rauchende Metall-Trümmer auf dem Bodern herumliegen. Ich vermutete das Werk von Plünderern. Ich fragte einen Mann, der gerade in der Nähe war, woher dieses Zeug herkam. Er erzählte mir, daß diese Trümmer durch die Luft geflogen waren, als der zweite Flieger den Südturm getroffen hatte. „Du meine Güte“ dachte ich. Das waren zum Teil ziemlich schwere Trümmer. Ich war heilfroh, daß ich nicht von einem dieser Teile getroffen worden bin. Irgendjemand zeigte auf ein Gebäude, dessen zerstörte Häuserecke wohl von einem der durch die Luft geflogenen Teile getroffen wurde.
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Das Ende der Aufräumarbeiten Am Morgen des 20. Mai wurde mit einer großen Zeremonie der 2800 Toten gedacht, die am 11. September an dieser Stelle umgekommen waren. Um punkt 10:29 - der Zeit in der der Nordturm gefallen war - versammelten sich Tausende von Menschen um die Aufräumarbeiten offiziell zu beenden. | | | |
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