Das erste Mal in meinem Leben denke ich, dass es verdammt schön sein muss, Geld zu haben. Bescheidene Stipendien und mütterliche Leihgaben bringen einen in New York City einfach nicht besonders weit. Da hier jammern natürlich überhaupt nicht hilft, habe ich mich entschlossen, aktiv zu werden.
Jawohl. Ich habe investiert! Im Investmentgeschäft noch sehr unerfahren, wollte ich nicht allzu viel riskieren und den Einsatz niedrig halten. Die New York Lottery schien mir da gerade recht zu kommen, gab es doch für einen knitterigen Papierdollar gerade so um die 25 Millionen weitere zu gewinnen.
Noch bevor ich jedoch weitere Überlegungen anstellen konnte (Was wird die erste finanzielle Transaktion mit dem ganzen vielen Geld? und Wie viele Second Hand Gürtel kann man für diese Summe erwerben?), brachte mich die Ziehung der Lottozahlen, die in den USA natürlich anders heißt, zurück auf den Boden der Tatsachen.
Die 6 Dollar Reingewinn für drei richtige Zahlen (die 14, die 42 und die 43) haben die Fragen erübrigt und so saß ich mit einem Kilo Weintrauben (=5,98 Dollar) im Bryant Park und habe stattdessen neue Pläne geschmiedet.
Was würde eine Amerikanerin anstellen, die Geld braucht? Und "Heureka", da wusste ich es. Alles was ich tun müsste, wäre in den nächsten MacDonald's zu spazieren, mir einen Becher Kaffee zu kaufen, den Inhalt desselbigen in meinen Schritt zu kippen, um daraufhin die ganze Mac-Bagage um Millionensummen zu verklagen.
Da ich Kaffee aber zu eklig finde, um mir damit wichtige Körperteile zu verbrennen, musste mir wohl etwas eigenes einfallen.
Der erste Schritt auf dem Weg zur Klage ist die Beschwerde und worüber könnte man sich in den Vereinigten Staaten besser beschweren, als über den Gott der AmerikanerInnen: Die Klimaanlage!
Sobald man sich hier in öffentlichen Gebäuden oder Verkehrsmitteln befindet, retten einen nur robuste Kondition oder mitgebrachte Jäckchen vor dem sonst unvermeidlichen Kältetod. Draußen brodelt der Asphalt auf den sommerlichen Strassen, drinnen kann man den eigenen Atem sehen. Es ist absurd. Doch wann immer ich mit hochgezogenen Schultern und frostroter Nase fragte, warum es denn bitteschön so unerträglich kalt sei und ob man da wohl etwas dagegen machen könne, blickte ich in erstaunte Gesichter und mir wurde mit gesenkter Stimme und verschwörerischer Miene unterbreitet: "Aber, … das ist doch die KLIMAANLAGE!"
Genau! Die Klimaanlage. Damit kriege ich sie!
Kaum war der Entschluss gefasst, hatte ich die Email an das Guggenheim Museum auch schon geschrieben. Ich war im Guggenheim Museum + mir war kalt = Beschwerde. So einfach war das. Die Korrespondenz zwischen mir und den armen Menschen, die in der Besucherinformations-Abteilung mit lästigen Menschen (wie mir) umgehen müssen, findet ihr (auf Englisch) im Anschluss.
Ohne das Lesevergnügen zu schmälern, kann ich sagen, dass mir zwar keine Millionen als Entschädigung angeboten wurden, ich aber schon zwei Menschen mit Freikarten erfreuen konnte. Und diese kleine Geste befreit mich hoffentlich von dem Vorwurf, dass ich mich New York City innerhalb eines Monats zur personifizierten Raffgier verwandelt hat.
Nächste Woche will ich ins Museum of Modern Art. Hoffentlich ist es schön kalt ;-)