Stories about New York
and New Yorkers
 
 
05.09.2010 - 13:08 Uhr
 
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katjas new york

Photo copyright Ruthe Zuntz
Ferngesteuert durch New York - Der Vorspann

Ein schmaler langer Korridor. Gleich neben der Tür hängt ein über und über mit chinesischen Schriftzeichen beschriebenes Plakat, aus dem nur die Worte „New York“ in lateinischen Buchstaben und lesbar hervor leuchten. Zwei Chinesinnen drücken sich an mir vorbei. Ihre Haare schlohweiß, das Gesicht von Jahrzehnten in Falten gelegt. Hinter einer offenen Tür spielen ältere Chinesen in Vierergruppen an langen Tischreihen das Brettspiel Mah Jongg. Das klack-klack-klack der Spielsteine vermischt sich mit unverständlichem Stimmengewirr und den Melodiefetzen, die aus einem Nachbarraum dringen. Aus meinem Kopfhörer ertönt die Stimme, die mich hierher geführt hat: „Na, hast du es schon gemerkt? – Du bist im Seniorenzentrum von Chinatown New York.“ In diesem Moment tippt mir eine jüngere Frau auf die Schulter. Ob ich mich verlaufen hätte. Ich schüttele den Kopf und zeige auf die Kopfhörer. „Die Stimme hat mir gesagt, ich soll durch die rote Tür gehen.“ Die Frau kann kurz an sich halten, dann fängt sie schallend an zu lachen. Stimmen im Ohr. Aha. Es besteht kein Zweifel: Sie hält mich für verrückt.

Dabei fing alles so harmlos an. Die allgemein anerkannten touristischen Höhepunkte von Manhattan lagen hinter mir: Ich hatte das Empire State Building erklommen, mir am Times Square auf die Füße treten lassen, die verchromte Spitze des Chrysler Buildings in der Sonne glitzern sehen und im Central Park Eichhörnchen gefüttert. Meine Kamera war voller Beweisfotos und ich noch immer voller Tatendrang. – Unterstützung musste her. Soviel war klar. Die erste Idee war ein vom New York Magazine als beste Stadttour ausgezeichneter Gruppenspaziergang.

Eine kleine feine Gruppe. Dazu ein eloquenter New York-Auskenner, der im Vorbeigehen die Geheimnisse der Stadt enthüllt, die weder von der Aussichtsplattform von Wolkenkratzern zu erspähen sind, noch in Neonschrift an Häuserwänden stehen. So hatte ich mir das vorgestellt. Die Gruppentour-Realität sah anders aus. – Über 70 Leute hatten sich versammelt und die drei Gruppenführer hatten Mühe, das aufgeregte Gewimmel zur Ordnung zu brüllen. Um die Menschenmenge zu bewältigen, bekam jeder einen Euro-großen Aufklebepunkt. Rot, blau oder grün. Die große Gruppe wurde nach Farben unterteilt. „Alle grünen Punkte hier zu mir,“ rief ein Gruppenführer in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete, „stellt euch in Zweierreihen auf und haltet das Geld passend parat.“ Spätestens in diesem Moment war klar: Die bunten Punkte würden allein losziehen müssen. Den Aufkleber habe ich an eine Straßenlaterne geklebt. Ich konnte mich beim besten Willen nicht durchringen, ein grüner Punkt zu werden.

Gegen den Tour-Frust sollte ein ausgedehnter Streifzug durch SoHo helfen, dem eleganten Stadtteil mit Galerien, Cafés und Designer-Boutiquen. Eine Auslage in einem Schaufenster des MoMA Design-Geschäfts fällt mir ins Auge: „Audio-Touren für Leute, die sonst keine Audio-Touren machen“ steht da auf einem Schild. Meinen die mich? – Dreizehn verschiedene New York-Touren, Soundwalks genannt, sind im Angebot. Jede Tour eine Stunde lang. Es gibt keine Gruppe. Nur einen individuellen und portablen Stadtführer, der einen über CD oder MP3 durch die Stadt navigiert. Es klingt zu faszinierend, um es nicht auszuprobieren, denke ich und laufe mit drei CDs zur Kasse.

- to be continued! -
Nächster Teil: Die erste Etappe: Brooklyn

© Katja Bartholmess, Autorin+Texterin
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