„Es fällt schwer, zum Alltag zurückzukehren“
Der Bruder von Martina Scheubeck aus Paunzhausen wurde Augenzeuge des
schrecklichen Terroranschlags in New York
Paunzhausen - Es dauerte Stunden, bis Martina Scheubeck am Dienstag
vor einer Woche wusste, dass es ihren Brüdern und dem Vater gut geht.
Bange Stunden des Wartens, denn ihr Bruder Marc wohnt seit zwei Jahren
in New York, der Rest der Familie in der Nähe von Washington.
Sie war gerade auf dem Weg nach Pfaffenhofen,
als sie im Autoradio von den Anschlägen hörte. „Zuerst habe ich gedacht,
das ist ein Scherz“, erzählt die junge Mutter, die in Paunzhausen lebt.
Wie sie später erfuhr, wollte ihr Bruder Marc Labitzky gerade zu seiner
Computerfirma aufbrechen. Die Freundin ihres anderen Bruders war bei
einem Vorstellungsgespräch, nur zwei Häuserblocks vom Pentagon entfernt.
Aufgeschreckt durch einen gewaltigen Schlag sei Labitzky auf das Dach
seines Wohnhauses in Manhattan gegangen – etwa fünf Kilometer vom World
Trade Center entfernt. Erschreckend nah bei einem Inferno wie diesem.
Dort sei er Augenzeuge geworden, wie sich das zweite Flugzeug in den
Turm bohrte und das Gebäude anschließend wie ein Kartenhaus
zusammenstürzte.
Seine Bilder und Erlebnisse sind im Internet zu
sehen, auf einer eigenen Homepage. Seine Schwester vermutet, dass er das
Gesehene, das Unfassbare damit verarbeiten muss. Außerdem kann er sich
auf diese Weise seiner Familie in Deutschland mitteilen – denn noch
immer ist es nicht leicht, per Telefon Kontakt zu bekommen, wie Martina
Scheubeck erzählt.
Die Homepage wird immer wieder ergänzt, die
Schilderungen machen beklommen. Mit Wasser und Lebensmitteln für die
Helfer sei er bis zu der Stelle gegangen, an der einst die beiden
mächtigen Türme des World Trade Centers standen. „Auf einem Gebiet der
Größe von zehn mal zehn Häuserblöcken liegen Millionen von Tonnen Schutt
und Asche. Das entspricht dem Jahresvolumen des erzeugten Mülls der
gesamten USA“, schreibt er. Auch von den ergreifenden Szenen der
Angehörigen, die nach Vermissten suchen, berichtet er.
Seit dem Attentat habe sich ihr Bruder sehr
verändert, erzählt Martina Scheubeck. Am ersten Tag habe er gar nicht
richtig reden können, als stehe er unter Schock. Trotz der
Erleichterung, dass Verwandte und Freunde lebten, falle es ihm schwer
zum Alltag zurückzukehren. Und auch sie selbst sei nervös, habe Angst,
wie es weitergeht, sagt die Paunzhausenerin.
Petra Schnirch
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